Für eine berufliche Karriere, die den Lebensunterhalt langfristig finanziell sichert, beginnen jedes Jahr hunderttausende von Schulabgängern eine Berufsausbildung. Eine solide Ausbildung bildet den Grundstein für den späteren beruflichen Werdegang. Sie wissen sicher, dass das in Deutschland praktizierte duale Berufsausbildungssystem in vielen Ländern große Anerkennung findet. Auszubildende nehmen in zeitlichem Wechsel an Berufsschulunterricht und der praktischen Lehre im Betrieb teil. In Abhängigkeit der Vorbildung und des gewählten Ausbildungsganges variieren die Bezüge, die die jungen Menschen während ihrer Lehrzeit erhalten. Wie handhaben im Vergleich dazu unsere Nachbarländer die berufliche Ausbildung? Das Ergebnis wird lauten: Einheitlichkeit sieht bei den Nachbarländern wirklich anders aus. Umso wichtiger ist es, dass Sie die Möglichkeiten erkennen, um mit Hilfe eines standardisierten Eignungsverfahrens herauszufiltern, welcher Azubi – trotz unterschiedlicher beruflicher Ausbildung – genau in Ihren Betrieb passt.

Berufliche Ausbildung im Ausland: So wird in Frankreich gelernt

Ähnlich wie in Deutschland kümmert sich in Frankreich das Ministerium für Bildung um anerkannte, qualitativ hochwertige schulische Ausbildungen von Kindern. Auch die Erwachsenenbildung steht bei den Franzosen hoch im Kurs. Die Ausbildungsgänge sind weitestgehend zusammenhängend und einheitlich strukturiert. Schulische Berufsbildungen werden durch

  • den französischen Staat,
  • private Haushalte,
  • Regionen und Gemeinden sowie
  • Unternehmen

finanziert. Der Besuch staatlicher Schulen und Hochschulen ist daher kostenlos.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen deutscher und französischer beruflicher Ausbildung

Vergleichbar sind die zweijährigen oder dreijährigen Bildungsgänge, die für Schulabgänger zu einem beruflichen Abschlusszeugnis führen. Auszubildende haben wie in Deutschland die Wahl, einen Abschluss auf rein schulischer Ebene zu erarbeiten, oder mittels eines dualen Ausbildungsganges. Die Abschlüsse unterteilen sich in

  • ein Facharbeiterzertifikat: CAP = certificat d’aptitude professionnelle oder
  • ein Berufsbildungsnachweis: BEP = brévet d’études professionnelles

Beide Zeugnisse ermöglichen den Absolventen, direkt aktiv in das Berufsleben einzusteigen. Einige Auszubildende besuchen im Anschluss für ein weiteres Jahr eine berufsqualifizierende Schule und legen eine Prüfung zum BAC Pro ab = baccalauréat professionel. Mit dieser Qualifikation sind sie berechtigt, sich an einer Hochschule einzuschreiben. Im Unterschied zum deutschen System können französische Auszubildende ihre Lehrjahre an sogenannten Berufsgymnasien (lycée professionnel) verbringen. Die praktischen Inhalte erlernen sie durch Projektarbeiten und betriebliche Praktika.

Berufliche Ausbildung im Ausland: ein Blick nach Polen

Wer in Polen eine Berufsausbildung beginnen möchte, muss zunächst drei Jahre lang ein polnisches Gymnasium besuchen und dort ein erfolgreiches Abschlusszeugnis erwirken. Das polnische Gymnasium schließt sich an eine sechs Jahre währende Grundschulzeit an. Die berufliche Ausbildung unterteilt sich in Polen ebenfalls in duale oder schulische Ausbildungslehrgänge. Die meisten jungen Menschen im Land entscheiden sich für eine schulische Berufsausbildung in Vollzeit. Zumeist erhalten die Lehrlinge nach dem Abschluss ihrer Ausbildungszeit zwei Zertifikate:

  • Das Abschlusszeugnis der besuchten Schule plus
  • ein Diplom über die erlangte berufliche Qualifikation beziehungsweise den Berufstitel.

Eine handwerkliche Ausbildung wird zum Beispiel wie in Deutschland mit einem Gesellenbrief abgeschlossen. Nach einer gewissen Berufserfahrung können sich Gesellen für eine Meisterprüfung anmelden. Erst im Jahr 2012 wurden während einer Reformation des Ausbildungssystems in Polen berufliche Zwischenprüfungen eingeführt. Wie in Deutschland erhalten Auszubildende mit dem Bestehen der Zwischenprüfung ein Zeugnis, das einen bestimmten erworbenen Leistungsstand dokumentiert.

Berufliche Ausbildung im Ausland: Große Flexibilität in den Niederlanden

Sie sind gewiss nicht überrascht, dass auch im angrenzenden Nachbarland Niederlande einige berufliche Ausbildungen staatlich geregelt sind. Darunter fallen unter anderem die Berufsbilder für

  • Lehrer,
  • Ärzte und
  • Rechtsanwälte.

In anderen Berufsfeldern gestaltet sich die Ausbildung so anpassungsfähig wie unkonventionell. Für alle Niederländer, die keinen akademischen Grad besitzen, soll sich eine Möglichkeit ergeben, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Daher erreichen Lehrlinge innerhalb von sechs bis zwölf Monaten den ersten von vier möglichen Abschlüssen. Damit gelten sie als „Assistent“ und sind befähigt, einfache Aufgaben zu übernehmen. Die weiterführende Stufe endet nach zwei bis drei Jahren mit einer „Basis“-Qualifikation. Innerhalb von drei bis vier Lehrjahren schaffen niederländische Azubis eine Fachausbildung. Die vierte und höchste Stufe qualifiziert als Spezialist. Wer dieses Niveau erreicht, kann sich ohne Hochschulreife damit an jeder Universität in den Niederlanden bewerben.

Modulabschlüsse statt Examensprüfungen

Am Ende einer der vier einzelnen Ausbildungslevels steht für niederländische Lehrlinge keine Examensprüfung, sondern eine so bezeichnete Teilqualifikation. Durchschnittlich erwerben Auszubildende innerhalb einer Zeit von drei Jahren rund 15 solcher Qualifikationen. Viele der Scheine gelten gleichzeitig für mehrere Berufszweige und werden zum großen Teil von Universitäten anerkannt. Auf diese Weise haben junge Menschen in den Niederlanden die Chance, nach ihren fachlichen und persönlichen Kompetenzen eine Ausbildung, Weiterbildung oder Umschulung zu absolvieren.

Exkurs: Darum profitieren Unternehmen von Azubis aus Nachbarländern

Entscheidet sich ein Unternehmen dafür, sich für die Ausbildung eines jungen Menschen starkzumachen, ist das immer ein Investment. Vielleicht ist das Engagement, das für einen jungen Menschen aus einem fremden Land aufgebracht werden muss, sogar höher. Doch auch der Benefit kann höher sein. Warum? Azubis, die eine berufliche Ausbildung in einem der deutschen Nachbarländer oder gar auf einem anderen Kontinent genossen haben, verfügen über Interkulturelle Kompetenz. Sie beherrschen mehr als nur eine Fremdsprache, sondern sie kennen die Kultur, das Land und die Mentalität und gerade das kann bei internationalen Geschäftsbeziehungen viel Wert sein. Um Unternehmen auf dem Weg zu einem Azubi aus einem Nachbarland zu unterstützen, bieten wir Ihnen unsere standardisierten Eignungstests an, die die Ländergrenzen förmlich überspringen und rein auf die Auslotung von Kompetenzen ausgelegt sind.

Berufliche Ausbildung im Ausland: So sieht es in Österreich aus

In Österreich gelten korrespondierend wie in Deutschland verschiedene Voraussetzungen für die Aufnahme einer bestimmten Ausbildung. Wer in Österreich eine Lehre als Bankkaufmann/-frau aufnehmen möchte, muss zunächst insgesamt neun Pflichtschuljahre erfüllt haben. Im Anschluss daran ergeben sich mehrere Optionen, die zum Ausbildungsziel führen:

  • Eine dreijährige Lehrzeit,
  • die Ausbildung an einer Handelsschule,
  • eine Qualifikation an einer Fachschule für wirtschaftliche Berufsfelder,
  • die Ausbildung bei einer Handelsakademie oder
  • eine Lehrzeit an einer Höheren Lehranstalt für ökonomische Berufe.

Nicht nur für Bankkaufleute gibt es in Österreich die Wahl verschiedener Kursstrecken zum gewünschten Ausbildungsziel. Junge Menschen, die einen Abschluss in der Altenpflege erreichen möchten, können wählen zwischen

  • einer zweijährigen Ausbildung an einer Fachschule für Altendienste und Pflegehilfe/soziale Betreuung/Sozialdienste/Familienhilfe,
  • einer dreijährigen Ausbildung bei einer Fachschule für Sozialberufe oder
  • einer einjährigen schulischen Lehrzeit mit einem anschließenden berufsbegleitenden zweijährigen Pflegehilfelehrgang.

Die Marschroute für Auszubildende in Österreich auf dem Gebiet der Metalltechnik ist in etwa so komplex wie in Deutschland. Die Lehrzeit dauert dreieinhalb bis vier Jahre und findet im Ausbildungsbetrieb sowie in der Berufsschule statt. Neben einem Grund- und Hauptmodul wie Maschinenbautechnik, Fahrzeugbautechnik, Schmiedetechnik oder Zerspanungstechnik stehen den Lehrlingen Spezialmodule wie Designtechnik, Konstruktionstechnik oder Automatisierungstechnik zur Auswahl. Wer keinen Ausbildungsplatz ergattert, kann eine vierjährige Ausbildung an einer speziellen Fachschule für Maschinen- und Anlagetechnik, Flugtechnik oder Feinwerktechnik machen. Eine dritte Alternative bietet die Schulung an einer Höheren Lehranstalt für Werkstoffingenieurwesen oder Maschineningenieurwesen.

Qualifizierte Lehrlinge haben gute Jobchancen

Der Fachkräftemangel ist in den Medien derzeit allgegenwärtig. Um Jugendliche, auch Schulabgänger aus dem europäischen Ausland, zu einer anerkannten Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt zu bewegen, gibt es seit 2013 das Sonderprogramm MobiPro-EU. Die deutsche Bundesregierung unterstützt mit dieser Kampagne junge Menschen aus europäischen Nachbarländern, die gerne eine Ausbildung in Deutschland aufnehmen möchten.

Was bleibt ist dieses Problem – und das zeigt sich auf der Arbeitgeberseite bzw. beim Azubi Recruiting: Zwar kann ein Ratgeber wie dieser über die Optionen der beruflichen Ausbildung in den deutschen Nachbarländern informieren, doch die Qualifikationen, die während der Schul- und Ausbildungszeit erworben werden, sind so nur schwer vergleichbar. Einfacher wird der Vergleich über einen standardisierten Eignungstest. Diesen müssen Sie nicht selbst aufstellen. Gerne bieten wir Ihnen dazu einen Zugang zu unserem Fragenpool. Sprechen Sie uns an!

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