Azubis mit Handicap? Deshalb unbedingt einstellen

Aktualisiert am von Ömer Bekar

Unternehmen, die ausbilden möchten, stehen fast in jedem Jahr wiederholt vor der Frage, wo und wie sie qualifizierte Bewerber finden. Sie können garantiert nachvollziehen, wie schwer insbesondere kleinere und mittelständische Betriebe ohne eine spezielle Personalabteilung es haben, die Herausforderung der Suche und Einstellung eines Azubis in die täglichen Arbeitsabläufe zu integrieren. Neben dem zeitlichen und organisatorischen Aufwand eröffnet sich vielleicht unerwartet die Situation, dass sich ein behinderter Bewerber um einen Ausbildungsplatz bewirbt. Der Aspekt einer praktischen Umsetzung dieser Idee wirft unter Umständen ganz neue Problematiken auf. Oder gehören Sie und Ihr Betrieb zu den Unternehmen, die ganz bewusst entscheiden, einem behinderten jungen Menschen einen Ausbildungsplatz anzubieten?

Keine falsche Scheu vor eingeschränkten Mitarbeitern

Ob jugendlicher oder erwachsener Arbeitnehmer – behinderte Mitarbeiter sind oftmals motiviert und verhalten sich gegenüber ihrem Arbeitgeber ausnehmend loyal. Schrecken Sie nicht zurück, falls sich ein behinderter Kandidat bei Ihnen um einen Ausbildungsplatz bemüht. Gerade Menschen, die körperliche Einschränkungen aufweisen, bereiten sich in der Regel sehr gut auf die Anforderungen des künftigen Arbeitsfeldes vor. Sie stellen meist selbst Überlegungen an, wie sie den Job optimal erfüllen können und welche Hilfsmittel dazu gegebenenfalls notwendig sind. Durch ihre gedankliche Auseinandersetzung mit den Gegebenheiten im Berufsalltag sind behinderte Bewerber anderen Kandidaten einen Schritt voraus. Zudem schätzen sie ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen größtenteils realistischer ein, als es gesunde Bewerber tun.

Tipp: Um in der Praxis schnell herausfinden zu können, ob der Azubi, der sich mit Handicap bewirbt, auch wirklich all  diese Kompetenzen mitbringt, können Sie sich mit einem standardisierten Online-Testverfahren davon überzeugen. Durch clever ausgetüftelte Fragen ist es schier unmöglich, inhaltlich zu schummeln. Die technische Anlage des Eignungstests macht auch das reale Schummeln unmöglich. Wir halten sowohl die inhaltliche als auch die technische Variante für Sie parat. Sprechen Sie uns an und wir erläutern die Optionen, Ihren Azubis mit Handicap standardisiert auf den Zahn zu fühlen.

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Von Zuschüssen für die Eingliederung eines Azubis mit Handicap profitieren

Ihnen ist gewiss nicht unbekannt, dass Arbeitgeber Zuschüsse für die Inklusion von behinderten Arbeitskräften erhalten. Unternehmen, die behinderte oder sogar schwerbehinderte Mitarbeiter ausbilden, können von diversen Leistungsträgern finanzielle Unterstützung beziehen. Die Unterstützungsleistungen sind in Form von

  • Darlehen,
  • Zuschüssen oder
  • Bonuszahlungen

möglich. Die folgende Liste zeigt eine Übersicht der möglichen Leistungen und der zuständigen Behörden und Ämter, wo Sie die entsprechende Hilfe beantragen können:

Beihilfe zur AusbildungsvergütungAgentur für Arbeit, Rehabilitationsträger
Zuschuss zur Ausbildungsvergütung bei SchwerbehinderungAgentur für Arbeit
Darlehen oder Zuschuss für die generelle Einrichtung neuer Ausbildungsplätze für schwerbehinderte Menschen bis zur Höhe der erforderlichen Kosten bei zusätzlicher angemessener Selbstbeteiligung des ArbeitgebersIntegrationsamt
Zuschuss oder Darlehen für eine behinderungsgerechte Ausstattung eines Ausbildungsplatzes in Höhe der im Einzelfall entstehenden KostenAgentur für Arbeit, Rehabilitationsträger, Integrationsamt
Erstattung von Gebühren, im besonderen PrüfungsgebührenIntegrationsamt
Zuschuss bei Kosten für die berufliche Ausbildung, auch Prämien.Integrationsamt

 

Die Gestaltung eines Ausbildungsplatzes für einen behinderten Bewerber ist fast immer mit Extra-Ausgaben verbunden. Die behindertengerechte Einrichtung des Betriebes und die fortlaufende Unterhaltung der Arbeitsstätte werden daher von den vorgenannten Behörden finanziell gefördert. Für die Ausstattung des Arbeitsplatzes für Azubis mit Handicap sowie für technisch notwendige Umbaumaßnahmen oder Arbeitshilfen tragen Sie als Arbeitgeber nicht allein alle entstehenden Kosten. Der Förderungsanspruch stellt für Unternehmen einen besonderen Anreiz dar, während der Ausbildungszeit schwerbehinderte Menschen anderen Mitarbeitern gleichzustellen.

Einen doppelten Nutzen hinsichtlich der Ausgleichsabgabe ziehen

Das Sozialgesetzbuch (§ 71 Abs. 1 SGB IX) sieht vor, dass in Deutschland jeder Arbeitgeber, der im Jahresdurchschnitt monatlich mindestens 20 Mitarbeiter beschäftigt, fünf Prozent der Arbeit auf schwerbehinderte Mitarbeiter (z.B. auf Azubis mit Handicap) verteilen muss. Geschieht diese anteilige Beschäftigung von behinderten Menschen nicht, muss der Betrieb eine sogenannte Ausgleichsabgabe zahlen. Je mehr eingeschränkte Mitarbeiter in einem Unternehmen tätig sind, desto geringer fällt die entsprechende Ausgleichszahlung aus. Für kleinere Firmen finden Sonderregelungen Anwendung. Grundsätzlich wird für einen behinderten oder gleichgestellten Kollegen ein Pflichtarbeitsplatz angerechnet. In Abhängigkeit der individuellen Umstände entscheidet die Agentur für Arbeit, ob für einen einzelnen schwerbehinderten Mitarbeiter sogar zwei oder drei Arbeitsplätze anerkannt werden. Azubis mit Handicap genießen in dieser Hinsicht einen Sonderstatus: Für jeden schwerbehinderte Auszubildenden, den Sie einstellen, rechnet die Agentur bis zum ersten Jahr nach dem Abschluss der Ausbildung zwei Arbeitsplätze an. Sie können demnach bei der Ausgleichsabgabe sparen, wenn Sie Azubis mit Handicap einstellen.

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Was im Arbeitsalltag bei behinderten Auszubildenden relevant ist

Ihr erklärtes Ziel ist selbstverständlich, dass Azubis mit Handicap ihre Ausbildung in Ihrem Unternehmen erfolgreich abschließen. Die Zielsetzung ist klar definiert – nun geht es um die entsprechende Umsetzung im Betriebsalltag.

1. Optimale Voraussetzungen schaffen

Damit sich Azubis mit Handicap erfolgreich in Ihr Unternehmen und die bestehende Belegschaft integrieren können, ist es von entscheidender Bedeutung, dass ihre vorhandenen Fähigkeiten und Talente gefördert und unterstützt werden. Offenheit und Transparenz unter allen Mitarbeitern ist hierbei wichtig, damit behinderungsbedingte Einschränkungen oder Ausfälle möglichst vermieden beziehungsweise korrekt behandelt werden. Eine grundlegende Priorität ist die Anpassung des Ausbildungsplatzes durch Arbeits- und Hilfsmittel. Weiterhin muss der Arbeitsplatz so gut wie möglich organisiert und strukturiert sein. Womöglich können Sie bestimmte Abläufe zur Vereinfachung der Gesamtsituation automatisieren. Natürlich dürfen Sie ebenso das weitere Umfeld nicht außer Acht lassen:

  • Ist der Zugang zum Ausbildungsplatz uneingeschränkt oder barrierefrei möglich?
  • Sind Sanitärräume und WCs geeignet?
  • Gibt es eine vernünftige Verkehrsanbindung mit öffentlichen Transportmitteln oder einen Behindertenparkplatz?

Wenn Sie einen ergonomisch gestalteten Ausbildungsplatz haben, der unter Berücksichtigung der notwendigen behinderungsbezogenen Gestaltungsmaßnahmen die Ausbildung ermöglicht und sichert, leisten Sie einen wesentlichen Beitrag zur Gleichstellung von Azubis mit Handicap in der Arbeitswelt und im Weiteren auch in der Gesellschaft. Kosten, die Ihnen durch die behinderungsgerechte Einrichtung des Ausbildungsplatzes entstehen, werden zum Teil bis zur vollen Höhe gefördert.

2. Zukunftsorientiert agieren

Zahlreiche Unternehmen haben erfreut festgestellt, dass die Ausbildung eines Azubis mit Handicap eine positive Alternative ist. Je nachdem, wie und wo der Betroffene eingesetzt werden kann, fungiert er als komplett vollwertige Arbeitskraft. Vor allem Existenzgründer ziehen die staatlichen Fördergelder zur Einstellung von schwerbehinderten Mitarbeitern in Betracht. Als Arbeitgeber sollten Sie den individuellen Einzelfall bewerten. Mit etwas Glück gewinnen Sie einen eifrigen und einsatzfreudigen Azubi, der Ihrem Unternehmen auch nach der Ausbildung wertvolle und treue Dienste leistet. Offensichtliche Nachteile für die Einstellung von Azubis mit Handicap sind ein erhöhtes Ausfallrisiko aufgrund von Fehlzeiten und Krankheitstagen sowie der erhöhte Kündigungsschutz. Beschäftigen Sie Azubis mit Handicap bereits länger als sechs Monate, also über die handelsübliche Probezeit hinaus, bedarf es für die Aussprache und Wirksamkeit einer Kündigung der vorherigen Zustimmung durch das Integrationsamt.

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3. Zeugnisse und Soft Skills als Entscheidungsmerkmal

Azubis mit Handicap, die körperliche Defizite haben und als schwerbehindert gelten, haben mitunter genauso gute Schulnoten wie gesunde Schulabgänger. Vereinzelt haben sie, weil sie sich mehr anstrengen, sogar das bessere Abschlusszeugnis. Auch bei sozialen Kompetenzen, die für die Integration in Ihrem Betrieb maßgeblich sind, haben behinderte Bewerber gelegentlich die Nase vorn. Viele zeichnen sich durch Toleranz, Höflichkeit, Freundlichkeit und Beharrlichkeit aus. Auszubildende mit Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit werden trotz Schwerbehinderung Ihr Unternehmen deutlich bereichern. Um diese häufig „unsichtbaren“ Kompetenzen sichtbar zu machen, stellen wir Ihnen nicht nur unsere Profession, sondern auch einen großen Fragenpool zur Verfügung. Gerne führen wir das Online-Eignungstestverfahren auch direkt in Ihrem Auftrag durch. Sprechen Sie uns einfach an.

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