Natürlich sind Sie bereits etliche Male mit dem großen Thema dieser Zeit konfrontiert worden: Die Studie zu Karriere und Familie, eine Untersuchung, die von der TU München durchgeführt wurde, greift das Spannungsfeld „Beruf-Karriere-Familie“ am Beispiel und Ingenieurinnen und Ingenieuren auf. Beleuchtet wurde dabei sowohl die Seite der Familien als auch die Optionen, die Betriebe haben.

Kinder und Karriere. Das bedeutet dieser Spagat für die Familien

Die hier vorgestellte Studie nimmt in ihrem Ergebnisbericht Bezug auf eine Studie aus dem Jahr 2006, in der ein deutlicher Unterschied zwischen der männlichen und der weiblichen Einstellung deutlich wurde: Frauen, die Physik, Chemie, Informatik oder Ingenieurwissenschaften studiert haben, leben meist in einer familiären Situation, bei der nicht nur die Frauen Karriere und Haushalt unter einen Hut bringen müssen, sondern auch die Männer ebenso einen akademischen Grad haben und sich gleichberechtigt um die Kinderbetreuung und die Arbeit im Haushalt kümmern müssen (80 Prozent). Als „dual-career-couple“ wird diese Situation beschrieben.

Andersherum zeigt sich aber ein Bild, bei dem berufstätige Männer der Branche meist mit nicht-berufstätigen Frauen zusammenleben (50 Prozent). Bereits in dieser Studie wurde eine Veränderung prognostiziert, die sich bei der vorliegenden Studie auch bestätigt hatte: 26 von 29 Männern planten, in Elternzeit zu gehen. Vor allem das Gehalt der Frau ist ausschlaggebend dafür, wer sich um den Nachwuchs kümmert und wer das Geld verdient.

Diese drei Faktoren sind dabei von enorm großer Bedeutung:

(1) Arbeitszeiten

Die Zeitplanung bei einem „dual-career-couple“ ist extrem aufwendig. Die Herausforderung wird noch einmal deutlich größer, wenn die Arbeitszeiten starr, unvorhersehbar oder unregelmäßig sind. Es gilt ständig auszutarieren, um Abendveranstaltungen auf der einen Seite und einen Arztbesuch oder Kindergeburtstag auf der anderen Seite unter einen Hut zu bekommen. Die Option „Teilzeit“ wird in höheren Hierarchie-Ebenen nur selten erwähnt. In Teilzeit geht traditionell, wer in der Produktion arbeitet oder als Sekretärin. Entsprechend groß ist der Wunsch der Fachkräfte, Teilzeit-Modelle und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

Die Herausforderungen werden anhand dieser Zahlen deutlich: Flexible Arbeitszeiten gibt es häufiger in der IT (60 Prozent), allerdings weniger in der Chemie und im Ingenieurwesen (43 Prozent). Am Wochenende oder abends zu arbeiten ist für 48 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen gelebte Wirklichkeit. Die Hauptbefragung zeigte: Bei der Befragung von 25 Unternehmen konnten in 16 Unternehmen Führungskräfte in Teilzeit arbeiten, in elf Unternehmen wurde das bereits in der Praxis umgesetzt und in neun Unternehmen werden die Teilzeit-Mitarbeiter positiv bewertet.

(2) Auszeit, Wiedereinstieg, Kinderbetreuung

Bei diesem wichtigen Themen-Trio zeichnet sich ein deutlicher Wandel ab.

Waren im Jahr 2004 noch

  • 61 Prozent der Frauen in Elternzeit und nicht erwerbstätig,
  • arbeiteten 34 Prozent während der Elternzeit in Teilzeit
  • und bei fünf Prozent gab es eine (gleichberechtigte) Aufteilung der Elternzeit und der Berufstätigkeit auf beide Partner.

Zum Vergleich: Im Jahr 2007 entfielen 12 Prozent der Anträge auf Elterngeld auf die Väter. Allerdings bedeutet das für die Männer auch: Sie müssen mit irritierten Blicken umgehen können und brauchen eine Partnerin mit ebenso gutem Gehalt, denn das Elterngeld ist an einen Maximalwert gekoppelt, der nur wenig mit dem Ingenieurverdienst zu tun hat.

Nach dem ersten Jahr „Babyzeit“ sehen sich viele mit der Herausforderung konfrontiert eine Betreuung in der Kindertagesstätte zu ermöglichen – doch die Plätze sind rar und die Öffnungszeiten beschneiden die berufliche Flexibilität ebenso. Auch Unternehmen sollten ihrerseits Initiative zeigen, um qualifizierte Kinderbetreuung anzubieten, denn: Wer eine gute Kinderbetreuung offeriert, bekommt vergleichsweise schnell wieder seine Mitarbeiter ins Unternehmen.

Um nahtlos anzuschließen, ist es nicht primär wichtig, sofort wieder einzusteigen, wichtiger ist

  • ein fest geplanter Wiedereinstieg zu einem Termin X,
  • ein fortwährender Kommunikationsfluss, um als Führungskraft im Gespräch und auf dem Laufenden zu bleiben,
  • klar festzulegen, zu welchen Konditionen eine Rückkehr denkbar ist, und
  • eine klare Vertretungsregelung zu initiieren.

Für Unternehmen der eingangs genannten Branchen ist klar: Ingenieurinnen wollen schnell zurück. Ob ihnen in der Einstellungsphase trotzdem die Sorge entgegengebracht wird, dass sie ohnehin bald wieder das Unternehmen verlassen, liegt in der Einstellung der Führungsriege begründet. Besteht Einigkeit bei Unternehmen und Fachkraft, ist es durchaus gelebte Praxis, Führungskräfte in Elternzeit im Rahmen von Qualifizierungsmaßnahmen, Konferenzen und Seminaren einzubinden und so die Lernbereitschaft der Fachkräfte weiter zu nutzen.

(3) Kinder und beruflicher Erfolg

Kinder müssen sich nicht negativ auf die Karriere auswirken. Das ist die Meinung von 48 Prozent der befragten Männer und von 25 Prozent der befragten Frauen. Das ist das Ergebnis, zu dem die Studie kommt. Und das geht auch noch differenzierter: Berufstätige Ingenieurinnen haben häufig sogar mehr Erfolg als kinderlose Konkurrentinnen. Kernpunkt ist dabei der Wiedereinstieg und damit auch, wann und wie die Ingenieurin in den Beruf zurückkehrt. Hinzu kommt, dass Ingenieuren und Ingenieurinnen mit Kindern bessere Fähigkeiten in punkto Organisation und Zeitmanagement nachgesagt werden, die sie mit speziellen Eignungstests auch nachweisen können. Sprechen Sie uns dazu einfach an, wir erläutern Ihnen dann die Möglichkeiten.

Familienfreundliche Angebote als Chance der Unternehmen

Die bisherigen Ausführungen haben gezeigt: Wer nach der Geburt eines Kindes schnell wieder zurückkehrt, der kann als Frau den Karriereknick verkraften. Bei Männern ist die Physik-, Chemie- und IT-Branche jedoch deutlich konservativer eingestellt. Männer in Elternzeit!? Das ist ein rares Phänomen, was insbesondere die Unternehmen als Verkaufsargument nutzen sollten, die um Fachkräfte werben.

Diese Wünsche haben Absolventen der Ingenieurwissenschaften an ihre künftigen Arbeitgeber:

  • Flexible Arbeitszeiten (29 von 35 Befragten)
  • Freistellung, wenn zuhause ein Notfall ist (27 von 35 Befragten)
  • Kinderbetreuung im Betrieb (22 von 35 Befragten)
  • Betreuung im Unternehmen im Ausnahmefall (17 von 35 Befragten)
  • Kinderfreundliches Unternehmen (Mittagessen im Betrieb, Kinderspielzimmer) (19 von 35 Befragten)
  • Betreuungsmöglichkeiten während der Ferienzeit (11 von 35 Befragten)

Von 30 Befragten mit Karrierewunsch wollen vier Frauen und 26 Männer diesem erklärten Ziel auch als Eltern treubleiben.

Professionals, die bereits beruflich aktiv waren und nun eine Familie gegründet haben, wünschen sich diese Optionen:

  • Heimarbeit (46 Prozent Männer, 2 Prozent Frauen)
  • Weniger Überstunden (33 Prozent Männer, 13 Prozent Frauen)
  • Flexiblere Arbeitszeiten (33 Prozent Männer, 5 Prozent Frauen)
  • Arbeitszeitkonten (27 Prozent Männer, 8 Prozent Frauen)
  • Weniger Stunden trotz Vollzeit (23 Prozent Männer, 10 Prozent Frauen)
  • Weniger Dienstreisen (15 Prozent Männer, 2 Prozent Frauen)
  • Teilzeit/Jobsharing (15 Prozent Männer, 13 Prozent Frauen)

Zu den Wünschen, die bereits die Absolventen geäußert haben, kommt der Wunsch nach einer Kontaktvermittlung zu Tagesmüttern und Babysittern, nach Unterstützung bei Serviceleistungen und nach der Unterstützung bei der Betreuung von Familienangehörigen hinzu.

Auf Unternehmensseite können diese Optionen angeboten werden, um Fachkräfte auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und sie auch langfristig zu binden.

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Möglichkeiten, die Kinder mit zur Arbeit zu bringen
  • Regelmäßige und unregelmäßige Kinderbetreuungsoptionen
  • Freistellung pflegender Angehöriger
  • Wäschereiservice, Bügelservice
  • Geld für Wochenendheimfahrten
  • Unterstützungsdienst/Geld bei Pflege Angehöriger
  • Einkaufsservice

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