Dass vermeintlich feste Strukturen unserer Gesellschaft immer deutlicher zu bröckeln beginnen, ist Ihnen sicher bekannt. Was das aber für Sie als Unternehmen bedeutet, bleibt oft im Verborgenen. Im Oberbergischen Land beispielsweise rückten Alleinerziehende in den Fokus dieser Studie. Welche Ergebnisse die Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden zu Tage gefördert hat, haben wir hier für Sie zusammengefasst. Befragt wurden dazu die Personalverantwortlichen in 24 Organisationen (sieben in der Verwaltung, sechs in der Industrie und elf im Dienstleistungsgewerbe).

Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden: Maßnahmen seitens der Unternehmen

Maßnahmenkomplex Nummer 1: Flexible Arbeitszeiten

Mit Blick auf die Maßnahmen waren sich alle Unternehmen einig: Die Flexibilität der Arbeitszeit ist das A und O für Alleinerziehende. Und diese Flexibilität kann ganz unterschiedlich aussehen. Während die einen Kernarbeitszeiten vorsehen, zu denen Präsenzpflicht gilt, bauen andere Betriebe auf Ergebnisorientierung. Hier zählt, dass die Arbeit in einem bestimmten Zeitfenster abgeschlossen ist – egal wann die Arbeit dazu abgeleistet wird. Allerdings ist die sogenannte „Vertrauensarbeitszeit“, die komplett ohne Kontrollmechanismen klarkommt, eher eine Seltenheit in dieser Studie.

Zum Trend werden könnte dieses Arbeitszeitmodell vor allem in jüngeren Unternehmen, denn hier wird davon ausgegangen, dass Zielorientierung und Teamorientierung dazu führen, dass Menschen gemeinsam ein Projekt stemmen – egal zu welcher Zeit dies der Fall ist. Wichtig für dieses Prozedere sind Mitarbeiter, die verlässlich sind. Wie Sie Ihre Bewerber auf diese (und andere) Kompetenzen hin „prüfen“ können, verraten wir Ihnen gerne: mit Hilfe eines Online-Einstellungstests.

Maßnahmenkomplex Nummer 2: Teilzeitlösungen

Flexible Arbeitszeiten waren die am häufigsten genannte Option, Teilzeitlösungen landeten auf Rang 2. Die Einstellung der Unternehmen hierzu ist durchaus unterschiedlich. Wie auch bei der Studie über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Ingenieurinnen herauskam, setzte sich jedoch diese Meinung durch: Teilzeit ist eine wichtige Option, um die Schwelle des Wiedereinstiegs so niedrig wie möglich zu halten. Teilzeit ist dabei in der heutigen Definition längst nicht mehr das 8-to-12-Modell, sondern orientiert sich stark in die Richtung flexibler Arbeitszeiten. Halbe Arbeitstage, ganze Arbeitstage und freie Arbeitstage gestalten dann die Woche.

Maßnahmenkomplex Nummer 3: Einrichtung von Home-Office- und Telearbeitsplätzen

Auf Platz 3 der Hitliste der wichtigsten Unternehmensmaßnahmen steht die Einrichtung von Home-Office- oder Telearbeitsplätzen. Während Home Office meist impliziert, dass ein Teil der Arbeit zuhause und ein Teil der Arbeit im Betrieb abgeleistet wird, bedeutet Telearbeit, dass der häusliche Arbeitsplatz zu bestimmten Zeiten besetzt sein muss – um von Kunden, Kollegen oder anderen erreicht werden zu können.

Darüber hinaus benannten die Unternehmen diese weiteren Maßnahmen:

  • Betreuungsangebote während der Kindergarten- und schulfreien Zeit
  • Familienfest, Familientag
  • Finanzielle Zulagen
  • Gesundheitsfördernde Maßnahmen
  • Langfristige Arbeitsperspektiven (z.B. Dienstplan, aber auch Karriereplanung)
  • Qualifizierungsmaßnahmen für eine Erleichterung des Wiedereinstiegs
  • Unterstützung bei der Organisation der Kinderbetreibung (ggf. auch im Betrieb z.B. im Betriebskindergarten)

Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden: Verbreitung und Funktion von Alleinerziehenden

Grundsätzlich gilt: Es gibt keine Auskunftspflicht für Bewerber zum Familienstand. Das bedeutet auch, dass ein Unternehmen gar nicht zwingend wissen muss, dass Beschäftigte im Betrieb tätig sind, die alleinerziehend sind. In der vorliegenden Studie wurden meist Schätzwerte angegeben. Das Aufgabenspektrum von Alleinerziehenden ist dementsprechend nicht eingeschränkt, denn: Sie können sowohl im Backoffice und im Servicebereich tätig sein, aber auch in der Beratung oder gar als Dozent arbeiten.

Allerdings bekleiden auch in den Unternehmen, die viele Punkte der Maßnahmenliste für familienfreundliche Unternehmen umsetzen, Alleinerziehende keine Führungspositionen. Auch wenn der Frust darüber groß ist, bleibt doch diese Erkenntnis einer Befragten: „Das passt nicht in die heutige Zeit.“ Andere wiederum äußerten sich diplomatischer und verwiesen auf den hohen Zeitaufwand, der mit einer Führungsposition verbunden wird.

Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden: Erfahrungen mit Alleinerziehenden

Zehn der Befragten erklärten, dass es keinen Unterschied zwischen Mitarbeitern im Familienverbund oder Alleinerziehenden gäbe. Andere wiederum führten Unterscheidungsmerkmale an, die auch deutlich auf Kompetenzen verwiesen, die den Menschen zugrunde liegen müssen, wie z.B.

Allerdings gibt es auch eine Kehrseite, die diese Punkte beinhaltet:

  • Bei Alleinerziehenden ist das Risiko für Ausfallzeiten höher.
  • Die eingeschränkte zeitliche Verfügbarkeit ist in einigen Positionen durchaus problematisch.

Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden: Unterstützung seitens der Unternehmen

Explizit ausgewiesen wird eine Unterstützung für Alleinerziehende in den Betrieben nicht. Von der Unterstützung sollen im Betrieb alle gleichermaßen profitieren können. Anstatt Einheitslösungen werden individuelle Absprachen getroffen. Die wichtigsten Faktoren wurden bereits genannt: Flexible und alternative Arbeitszeitmodelle, Betreuungsangebote bzw. Unterstützung bei der Suche von qualifizierter Betreuung, finanzielle Zulagen und langfristig mögliche Planungen zählen hier ebenso dazu wie Qualifizierungsmaßnahmen und gesundheitsfördernde Maßnahmen.

Studie zur Beschäftigung von Alleinerziehenden: Empfehlungen seitens der Unternehmen

Auch wurden die Unternehmen zu ihren Tipps für Alleinerziehende befragt. Sie rieten ihnen,

  • ihre fachlichen Kompetenzen auf- und auszubauen (ggf. Weiterbildungen zu besuchen).
  • den Ausstieg aus dem Beruf nicht zu lange werden zu lassen.
  • Lösungen zu präsentieren, die die Kinderbetreuung abdecken (u.a. private Netzwerke).
  • engagiert, ehrgeizig, positiv und selbstbewusst aufzutreten.

Bildquelle: Ingo Bartussek/fotolia.com

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