Sicherlich haben Sie sich schon des Öfteren gefragt: Wie tickt die Jugend? Dieser Frage ist nun auch die Konrad-Adenauer-Stiftung nachgegangen, die herausfinden wollte, wie Jugendliche idealerweise angesprochen werden, welche Werte sie haben und was sie in ihrer Freizeit tun. Auch die Frage nach unterschiedlichen „Typen“ der Jugendlichen war in diesem Zusammenhang mindestens ebenso spannend wie deren politische Einstellung. Warum? Weil die Jugend die Gruppe der Mitarbeiter von morgen stellt. Beleuchtet werden sollen stichpunktartig die wichtigsten Eckdaten.

Studie zur Jugend: Beschreibung der Ausgangssituation

Die „Jugend“ als Lebensabschnitt unterliegt einem mächtigen Wandel. Im Jahr 2020 sollen auf 17 Prozent der unter 20-Jährigen 22 Prozent der über 65-Jährigen kommen. Von heute auf morgen hat sich dieser Wandel nicht abgezeichnet, das zeigt dieser Zahlenvergleich: Vor dem Ersten Weltkrieg machten die unter 20-Jährigen einen Anteil von 35 Prozent aus und die über 65-Jährigen einen minimal kleinen Anteil von über fünf Prozent. Das Resultat: Um sich Gehör zu verschaffen, ohne eine Mehrheit zu bilden, muss sich die Jugend heute auf die Hinterbeine stellen.

Vielleicht hinkt das Zahlenkonstrukt auch an der einen oder anderen Stelle, denn die Jugendphase umfasst heute etwa 15 Jahre und ist damit deutlich ausgeprägter als früher. Durch verlängerte Ausbildungszeiten erfolgt der Schritt in die ökonomische Selbstständigkeit deutlich später. Konsumwelten, Medien und die Pluralität an Erziehungsstilen erzeugen eine „unfassbarere“ Jugend, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Wer diese „ungreifbare“ Gruppe gezielt ansprechen will, muss wissen, mit wer es zu tun hat.

Studie zur Jugend: Ausbildung, Studium, Beruf

Einheitlich präsentiert sich die Jugend heute bei Weitem nicht. Vielmehr lassen sich – hauptsächlich auf Basis der sozialen Herkunft – vier unterschiedliche „Typen“ ausmachen.

  1. Etwa 20 Prozent der Jugendlichen sind unauffällig und resigniert. Sie halten ihre Zukunftschancen für unglücklich und richten einen skeptischen Blick in die Zukunft.
  2. Etwa 20 Prozent der Jugendlichen werden als robust und erfolglos In dieser Gruppe sind junge Männer die Mehrheit, die zwar nach Einflussreichtum und Lebensgenuss streben, dies aber aufgrund ihrer Kompetenzen nicht erreichen können. 1,7 Millionen Jugendliche ohne Ausbildung oder diejenigen, die keinen Schulabschluss haben, gehören zu dieser Gruppe.
  3. 30 bis 35 Prozent der Jugendlichen fallen in die Gruppe der selbstbewussten Macher. Sie wissen: Mit Ehrgeiz und Fleiß können sie die selbstgesteckten Ziele (Macht, Aufstieg, Lebensstandard, Genuss, Konsum) erreichen.
  4. Ähnlich groß wie die selbstbewussten Macher ist die Gruppe der pragmatischen Idealisten, die hauptsächlich weiblich geprägt ist und im Bereich Bildung und Soziales vornehmlich vertreten ist.

Studie zur Jugend: Werteverständnis

Das Werteverständnis der heutigen Jugend könnte unterschiedlicher nicht sein. Auf der traditionellen Seite befinden sich Werte wie

  • Freiheit,
  • Heimat,
  • Leistung (91 Prozent),
  • Ordnung (93 Prozent),
  • Respekt,
  • Sicherheit (95 Prozent),
  • Stabilität (91 Prozent),
  • Vertrauen und
  • Zusammenhalt.

Neben diesen Pflicht- und Akzeptanzwerten stehen Selbstentfaltungswerte, die ebenfalls die heutige Jugend charakterisieren: 78 Prozent wollen ihr Leben in vollen Zügen genießen. 79 Prozent halten es für wichtig, ihrer Phantasie und Kreativität freien Lauf zu lassen. Und so stehen einer Reihe traditioneller Werte nur wenige gegenüber, die das Vorurteil unterstreichen, die Jugend erlebt ihr Leben „chillend“ und auf der faulen Haut.

Wer dennoch glaubt, dass die Jugend von heute tun kann, was sie will, könnte die „Schuld“ dafür auch in einer geänderten Erziehungsmethodik suchen, denn wer seinen Kindern verhandelnd und auf Augenhöhe begegnet, der braucht weniger Regeln und Strafen, könnte aber so schnell in den Verruf kommen, die Jugend kann tun, was sie will. Nur elf Prozent der Eltern sahen eine Leistungsbereitschaft an ihren Kindern, allerdings sei der Rest nicht als Leistungsverweigerer anzusehen. Sie sehen schlicht keine Notwendigkeit.

Die Kehrseite der Multioptionalität, derer sich die Jugendlichen durchaus bewusst sind, ist der Stress und der Druck, dem Kinder und Jugendliche bereits sehr früh ausgesetzt werden.

Studie zur Jugend: Medial geprägte Jugendwelten

Die Jugend ist medial unterwegs: Handy (91 Prozent), Internet (90 Prozent) und TV (89 Prozent) liegen in ihrer Nutzungsfrequenz nahezu gleichauf. Vier bis fünf Stunden täglich – und damit vermutlich den Großteil ihrer Freizeit – verbringen Jugendliche vor diversen Bildschirmen. Die Folge: Gesundheitliche Probleme, die langfristige Erkrankungen zur Folge haben können. Freundschaften beeinflusst der Medienkonsum indes nicht negativ, denn auch die Peergroup sitzt vor dem Bildschirm. Konsumiert wird im Übrigen kaum etwas aus Politik und Wirtschaft, sondern in erster Linie die Themen, die die Jugendlichen selbst betreffen („ich-Themen“).

Studie zur Jugend: Jugend und Familie

Eine Familie zu haben, bedeutet für die Jugendlichen Glück. Immer mehr Jungen (2002: 66 Prozent, 2010: 71 Prozent) und immer mehr Mädchen (2002: 75 Prozent, 2010: 81 Prozent) vertreten diese Meinung. Ein gutes Familienleben ist 92 Prozent wichtig, eigene Kinder wünschen sich 43 Prozent der Jugendlichen, um glücklich zu sein. Letzteres spiegelt sich allerdings nicht in den aktuellen Geburtenraten.

Der Generationenkonflikt wurde buchstäblich vom Tisch gefegt. Vielmehr gaben 73 Prozent der Jugendlichen an, später einmal ebenso erziehen zu wollen, wie sie selbst erzogen wurden. Zum Vergleich: Im Jahr 1985 waren die Rebellen noch häufiger vertreten. Nur 53 Prozent waren damals mit der Erziehung ihrer Eltern so einverstanden, dass sie diese auch nachahmen würden.

Studie zur Jugend: Jugend und Politik

Die Jugend von heute ist sich ihrer unberechenbaren und unsicheren Zukunft sehr wohl bewusst, reagiert darauf aber mit individuellen Lösungsansätzen. Im Mittelpunkt steht der Jugendliche selbst, entsprechend wird die Lösung der anstehenden Probleme auch als persönliche (und nicht als gesellschaftspolitische) Aufgabe begriffen. Das politische Interesse ist deutlich gesunken und erholt sich nur langsam wieder (1984: 55 Prozent, 2002: 34 Prozent, 2010: 40 Prozent). Auch die Informationslage zur Politik ist mau. 66 Prozent der Jugendlichen informieren sich gar nicht. Der Rest zieht den Fernseher (27 Prozent) dem Internet oder der Tageszeitung vor (jeweils 20 Prozent).

Interessant sind vor allem sozialpolitische Themen, die sie persönlich betreffen oder irgendwann einmal betreffen könnten. Was keinen Bezug zu ihrem Leben hat, wird ausgeblendet und interessiert nicht. Die selbstbewusste Generation der Jugendlichen setzt sich dann ein, wenn Ungerechtigkeit herrscht. Ihre Kritik wird häufig in ganz neuen Formen gezeigt. So gibt es verschiedene Musik- und Tanzstile ebenso wie Benefizläufe oder freiwilliges, soziales Engagement.

Ein mögliches Gefahrenpotential lauert indes hier: Wer bildungstechnisch benachteiligt ist, ist empfänglich für politische Themen, die besonders medienwirksam inszeniert werden. Das spiegelt auch das Wahlbarometer: Mit mittlerer und höherer Bildung wird gewählt. Bei Jugendlichen in prekären Situationen hemmt ihre Resignation ihr politisches Engagement.

Recherche-Tipp

  • Wer sich detaillierter mit dem Thema „Jugend“ beschäftigen möchte, kann die wichtigsten Ergebnisse aus der Shell-Jugendstudie 2015 hier
  • Spannend ist auch ein Vergleich der Generation Y und der Generation Z, denen wir jeweils einen Einzelartikel gewidmet haben.
  • Die Fokussierung und Konzentration aufs eigene Ich wird auch beim Thema Work-Life-Balance deutlich, was im Fokus dieser Studie

Bildquelle: chika_milan/fotolia.com

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